Cholesterin: Besser als sein Ruf

Cholesterin: Besser als sein Ruf

Cholesterinreiche Nahrung, wie zum Beispiel Garnelen, erhöht nicht automatisch unseren Cholesterinspiegel, sondern kann ihn sogar senken.

Grundsätzlich gilt: Etwa ein Viertel des Cholesterins, das wir benötigen, kommt aus unserer Nahrung. Drei Viertel des benötigten Cholesterins werden in der Leber gebildet und in unserem Körper verteilt. Dieses Verhältnis ändert sich jedoch, wenn wir mehr Cholesterin zu uns nehmen. Die Leber produziert in diesem Fall weniger Cholesterin und umgekehrt. Diese Erkenntnis stellt bisher gängige Vorstellungen über den Einfluss cholesterinhaltiger Nahrung auf unsere Gesundheit in Frage. Da unser Körper den Cholesterinspiegel eigenständig auf konstantem Niveau halten möchte, ist es durchaus nicht so, dass cholesterinarme Nahrung den Cholesteringehalt senkt und cholesterinreiche Nahrung ihn erhöht. Garnelen und andere Schalentiere enthalten viel Cholesterin, weshalb lange angenommen wurde, dass sie den Cholesterinspiegel in unserem Körper erhöhen. Doch neuere Forschungen decken auf: Garnelen haben eine cholesterinsenkende Wirkung.

Cholesterin wird im Blut von Eiweißkörpern, den Lipoproteinen, zu den Zellen transportiert. Diese Eiweiß-Cholesterin-Gefüge kommen in zwei verschiedenen Formen vor: als Low Density Lipoprotein (LDL) und als High Density Lipoprotein (HDL). HDL bringt im Organismus nicht benötigtes Cholesterin zur Weiterverarbeitung zur Leber zurück. LDL kann das nicht und lagert zu viel vorhandenes Cholesterin ab, beispielsweise an den Gefäßwänden. HDL gilt daher verbreitet als „gutes“, LDL als „schlechtes“ Cholesterin. Während der LDL-Wert also möglichst niedrig gehalten und eine bestimmte Grenze nicht übersteigen soll, ist ein hoher HDL-Cholesterin-Wert günstig.

Für einen gesunden Cholesterinspiegel (HDL > LDL) ist die Versorgung mit ausreichend ungesättigten Fettsäuren wichtig. Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren finden sich beispielsweise in Fisch, Schalentieren und Pflanzenölen. Magere, eiweißreiche Nahrungsmittel wie Garnelen und Schalentiere, die sowohl einfach als auch mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten, können den Gehalt an weniger gesunden LDL-Cholesterin im Blut verringern. Zwar steigen bei regelmäßigem Verzehr beide Cholesterinwerte an, das Verhältnis von HDL zu LDL verbessert sich jedoch zugunsten des guten Cholesterins. Garnelen wirken sich folglich positiv auf die Cholesterinebalance aus.

Die Diskussion über Cholesterin und cholesterinhaltige Nahrungsmittel sollte ebenso differenziert geführt werden wie die Diskussion über Fette. Es gibt gute und schlechte Fettsäuren und es gibt gutes und schlechtes Cholesterin.